Geschichte

Auszug der Geschichte des Kleingartenvereins Predigtstuhl  
(ursprünglich Predigerstuhl)

Wie so viele andere Vereine ist auch der Kleingartenverein Predigtstuhl im Jahre 1916 aus einem "Kriegsgemüsegarten" entstanden. Zuerst wurden die Gründe entlang der Franz Glasergasse vergeben, dann kamen auch die Gärten an der Oberwiedenstraße dazu. Zunächst dürfte es noch keine geordnete Vereinstätigkeit gegeben haben. In dieser Zeit hatten die Menschen nur ein Ziel vor Augen - ihre Versorgung mit Gemüse und Kartoffeln zu verbessern.

1918 begann die Aufteilung in Parzellen und schließlich die Organisation des Vereins, die wahrscheinlich von einem Herrn Schrammel, dem mutmaßlichen ersten Obmann, vorgenommen wurde. Seit November 1919 befindet sich die Eintragung des Vereins "Schrebergarten- und Kleintierzuchtverein Predigerstuhl" mit Erlass der niederösterreichischen Landesregierung im Vereinskataster. Die Mitglieder machten anfangs viele Arbeiten gemeinsam. 

Eine interessante Begebenheit, die zum Glück keine Auswirkungen auf den Verein hatte, gab es noch Ende Dezember 1922. In verschiedenen Zeitungen wurde der Verkauf des Schlosses Wilhelminenberg an eine Schweizer Gesellschaft gemeldet. Ca. 500.000 Quadratmeter sollten parzelliert und darauf 800-1000 Siedlungshäuser errichtet werden (aufgrund der damaligen Wohnungsnot). Aufgrund von "Terrainschwierigkeiten" kam es glücklicherweise nicht dazu und dieses Gebiet blieb zunächst noch im Besitz von Erzherzog Salvator. Dieser war nach dem Zusammenbruch der Monarchie nach Spanien geflohen und kam erst 1930 wieder nach Österreich zurück. Schloß Wilhelminenberg wurde zunächst Lazarett und Genesungsheim für Kriegsopfer. 1927 erwarb es die Gemeinde Wien und richtete ein Kinderheim ein. Von 1934 bis 1938 waren die Wiener Sängerknaben hier untergebracht. 1945 wurde es wieder ein Kinderheim, aber 1977 geschlossen. In der Folge wurde es gelegentlich im Rahmen der Wiener Festwochen verwendet. Seit 1988 ist das ehemaligen Jagdschloss von Graf Lascy (das ursprüngliche Jagdschloss aus dem Jahr 1781 wurde 1904 im Neo-Empire Stil neu erbaut), nach einer bewegten Geschichte zum "Hotel Schloss Wilhelminenberg" umgestaltet und schließlich 2003 komplett renoviert als 4-Stern Hotel neu kategorisiert worden. 

Am 22. Juli 1923 wurde das Wirtschaftsgebäude (Schutzhaus) des Vereins feierlich eröffnet. Obmann Nöbauer schilderte den Werdegang des Vereins. Er würdigte auch das Wirken der Gemeinde Wien und vor allem des Herrn Inspektor Siller, der sich um die Kleingärten besonders verdient gemacht hatte. Es wurde eine Linde gesetzt, die den Namen Siller-Linde erhielt. Auch eine Gedenktafel wurde angebracht.

Im September 1923 gab es eine "Wiener Kleingarten-, Siedlungs- und Wohnbauausstellung". Der Predigtstuhl stellte Gemüse aus. Im selben Jahr wurde der Verein "Predigerstuhl" auch als Mitglied der Kleingarten- und Kleintierzuchtvereine und -gruppen in Wien erwähnt.

Im Jahr 1924 dürfte die Außeneinfriedung geschaffen worden sein.

In den nächsten Jahren wurde die "Kolonie" weiter ausgebaut, in einem Teil der Gruppe VI eine Einheitseinfriedung errichtet und die Betonstiege zwischen Gruppe II und III angelegt.

Am. 2. Oktober 1926 feierte der Kleingartenverein Predigtstuhl mit einem Herbstfest seinen zehnjährigen Bestand.

Im Jahr 1929 wurden in einer Sitzung des Gemeinderates Dauerkleingartengebiete, bis auf Widerruf, geschaffen. Der Kleingartenverein "Predigtstuhl" wurde als Dauerkleingartengebiet erwähnt.

1931 gab es Probleme mit der Gemeinde Wien, da diese in der Franz Glasergasse bauen wollte. Kaum war diese Gefahr beseitigt, drohte eine neue. Hinter dem Haus Franz Glasergasse 1 befand sich ein Steinbruch. Die Gemeinde Wien hatte die Absicht, den Steinbruch als Müllablagerungsstätte zu verwenden. Auf dem eingeebneten Stück entstand in späterer Zeit die Sportanlage der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien.

Am 9. August 1936 fand ein Fest zum zwanzigjährigen Bestand des Vereins statt. Der Obmann, Herr Dworacek, gab eine Schilderung der Entwicklung des Vereins.

In der Zeit des 2. Weltkriegs gewannen die Kleingärten wieder an Bedeutung (vor allem durch Obst- und Gemüseanbau). So manches "Grabeland" kam dazu. 

An der Wende des Jahres 1942/1943 konnte das Salvatorgrundstück durch den Verein "Predigtstuhl" aufgekauft und im Grundbuch Hernals eingetragen werden. Zur selben Zeit wurde auf dem Grund des Schlosses Wilhelminenberg eine Flak-Stellung errichtet und ein Bunker in den Berg gesprengt. Nach dem Krieg sprengte man den Eingang zum Bunker und mauerte den Notausgang zu. Im Barackenlager der Flak-Stellung und in den alten Wirtschaftsgebäuden des Schlosses gründete Otto König 1945 eine Station für vergleichende Verhaltensforschung. Seit 1946 wurde sie als "Biologische Station Wilhelminenberg" bekannt.

Es gab immer wieder Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung. Es fehlen genaue Daten über Wasserleitungs- und Stromanschlüsse an das städtische Netz. Schon in den dreißiger Jahren dürfte es Einzelanschlüsse von der Oberwiedenstraße her gegeben haben, ehe die Errichtung einer Sommerwasserleitung für alle beschlossen wurde. Später kam auch eine Winterwasserleitung mit mehreren Entnahmestellen dazu. 1985 wurde die Winterwasserleitung aufgelassen, weil mit dem Bau des Kanals eine neue mitverlegt wurde. Mit dieser neuen Winterwasserleitung wurde eine Anschlußmöglichkeit für alle Mitglieder geschaffen.

Nachdem es zuerst eine - vom Verein betreute - Lichtgemeinschaft gab, wurde 1951 beim E-Werk ein Ansuchen um Bewilligung zur Errichtung von Leitungen eingebracht. 1965 erfolgte dann die Instandsetzung und Übernahme der Anlage durch das E-Werk.

In der Anlage des Vereins befand sich das Gasthaus des Herrn Venier. Der Verein wollte es erwerben. 1971 machte der Besitzer dem Verein ein Verkaufsangebot. Unter Obmann Schindler wurde das Gasthaus dann um 500.000 Schilling erworben.

Am 3. September 1976 wurde die 60-Jahr Feier begangen.

1982 wurde in der Franz Glasergasse ein Kanal gebaut und auch einige Mitglieder des Vereins zum Anschluß an das Kanalnetz verpflichtet. Daraufhin beschloß die Generalversammlung 1982 die Errichtung eines Kanals für den gesamten Verein.

1989/90 wurde die Winterwasserversorgung für alle Parzellen fertiggestellt und die Sommerwasserleitung stillgelegt.

(Auszug aus der Festschrift zur 70-Jahr Feier)
Literatur:
Der Siedler und Kleingärtner, 1923-1944
Ch. Klüsack/K. Stimmer: Ottakring - Vom Bauernmarkt zum Liebhartsal, 1983