Luftbild KGV
Peter Autengruber

Zur Geschichte des Kleingartenvereins Predigtstuhl (1916-2022)

Zum Begriff Schrebergarten/Kleingarten

Obwohl der Begriff Kleingarten in Österreich schon seit den 1920er Jahren offiziell existiert, hält sich zum Teil noch heute der überholte Begriff Schrebergarten.
Der Terminus Schrebergarten geht auf den Arzt Dr. Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808–1861) zurück, obwohl er mit den Schrebergärten nichts zu tun hatte. Vielmehr wäre der Name Hauschildgärten treffender gewesen, wie wir gleich erfahren werden.
Schreber übernahm 1844 eine kleine orthopädische Heilanstalt, in der er Kinder mit Rückgratverkrümmungen behandelte. 1845 zählte er zum Mitbegründer des „Leipziger Turnvereins“. Eine Turnhalle wurde gebaut, Schreber war von 1846–1851 Vorsitzender des Vereins. Er hatte zum Thema Turnen publiziert und Turnen als Pflichtfach in den Schulen gefordert.
Einen gewissen Bekanntheitsgrad erhielt Schreber durch sein Buch „Zimmergymnastik“, welches ein Bestseller mit einer Auflage von rund 300.000 Stück war. Für die damalige Zeit enorm viel. Seine anderen Bücher über Gesundheit und Kindererziehung dagegen waren wenig erfolgreich, seine Erziehungsmethoden autoritär und radikal.
Die heute unter dem Begriff „Schwarze Pädagogik“ subsummierten Erziehungsmethoden hatten für seine Kinder, an denen er diese ausprobierte, tragische Folgen.
Doch zurück zu den Schrebervereinen. 1864, also drei Jahre nach Schrebers Tod, gründete der Schuldirektor Dr. Ernst Hauschild (1808–1866) in Andenken an Schreber einen „Schreberverein“, und ein Jahr später (1865) pachtete er eine Wiese und richtete dort einen Spielplatz für Leipziger Kinder ein. Diesen Spielplatz nannte man Schreberplatz. 1868 regte der Oberlehrer Heinrich Carl Gesell (1800 – 1879) an, die Kinder durch Gartenarbeit mit der Natur näher in Verbindung zu bringen. Am Rande des Spielplatzes wurden Beete angelegt. Daraus entstanden kleine eingefriedete Familiengärten, aus denen sich bald Gartenkolonien entwickelten, welche Schrebergärten genannt wurden.
Die Gärten wurden durch Zäune voneinander abgegrenzt, Lauben errichtet, Gartenordnungen wurden erlassen. Die Schrebergärten wurden bald fester Bestandteil großstädtischen Erholungsraums. Mit den „Schrebergärten“ hatte also Schreber nichts zu tun, er war nur Namensgeber einer Idee.

Die Entstehung der Kleingärten um die Jahrhundertwende

Vorformen von Kleingärten gab es bereits im 18. Jhd. in England. Die sogenannten „allotments“ waren kleine Landparzellen, die den Ortsarmen zur Bebauung überlassen wurden. Vor allem in den napoleonischen Kriegen boomten diese Armengärten. Von Großbritannien fand die Idee Eingang auf den Kontinent. Nahrungsmittelversorgung in Kriegszeiten sollte später auch Hauptantrieb für die Entstehung der Kleingartenbewegung sein.
Weitere Vorläufer der Kleingartenidee waren Arbeitergärten und die Gärten der Lebensreformbewegung. Während es sich bei Arbeitergärten um Wohltätigkeitsvereine handelte, welche bei den Arbeitern/innen selbst auf Grund der restriktiven Kontrollen nicht sonderlich beliebt waren, dienten die Gärten der Lebensreformbewegung einer naturgemäßen Lebens- und Heilweise. Die ersten Kleingartenvereine in der damaligen Habsburgermonarchie entstanden in Deutschwald bei Purkersdorf (1904), in Graz (1907), im Rosental (1911) und in Mariabrunn (1914).

Der Aufschwung der Kleingartenbewegung im Ersten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges änderte sich das Bild schlagartig. Bürgermeister Richard Weiskirchner war der Kleingartenbewegung gegenüber aufgeschlossen. Da vorerst keine Gemeinderatssitzungen stattfanden, konnte er frei entscheiden, und so entstanden eine Reihe von – wie es damals hieß – Kolonien. Orte also, wo sich Menschen brach liegende Flächen aneigneten oder Wälder abholzten. Und nach dem Ersten Weltkrieg wurden Arbeitslose und Kriegsheimkehrer zu „wilden Siedlern“.
Der neue sozialdemokratische Bürgermeister Jakob Reumann förderte die Siedler wie auch sein christlichsozialer Vorgänger. Aber auch der Ökonom und Soziologe Otto Neurath engagierte sich in der Kleingarten- und Siedlerbewegung zu Beginn der Ersten Republik. Waren zu Kriegsbeginn 1914 rund 500 Gärten auf 150 Hektar angelegt, gab es in Wien 1921 bereits 30.000 Kleingärten auf 9.000 Hektar.
In den beiden Weltkriegen und den Nachkriegszeiten sowie generell in wirtschaftlichen Krisenzeiten leisteten die Kleingärten einen wichtigen Beitrag zum Überleben der hungernden Bevölkerung.
Viele Vereine, auch der Kleingartenverein Predigtstuhl, haben ihre Wurzeln in dieser Zeit.

Die Entstehung des Kleingartenvereins Predigtstuhl im Ersten Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges entstanden (zumeist) an den Rändern der Stadt sogenannte Kriegsgemüsegärten. Seit 1915 herrschte in Wien Kartoffelmangel, die Gemeinde initiierte eine Anbauaktion, welche der Idee der Kleingartenbewegung neuen Schwung verschaffte.
Im Herbst 1915 gab es bereits rund 2.000 Kleingärten und 1.500 Kriegsgemüsegärten, 1916 3.000 Kleingärten und 2.800 Kriegsgemüsegärten. In die Blütezeit dieser Gründungen fiel auch die Gründung des heutigen Kleingartenvereins Predigtstuhl.
Aus der Chronik geht hervor, dass 1916 die ersten Lose an der Franz-Glaser-Gasse vergeben wurden. Eine Vereinstätigkeit im heutigen Sinne gab es noch nicht. Einziges Ziel war der Anbau von Kartoffeln und Gemüse. Es gab keine Zäune, keine Einfriedungen, keine Thujenhecken. Und es gab keine Wasserleitung. Mühselig musste das Wasser zu den Beeten den Berg hinaufgetragen werden.
Im extrem trockenen Sommer 1917 musste die Feuerwehr beim Gießen mehrmals aushelfen:
„Die Kartoffeln lagen noch Wochen nach dem Legen eingetrocknet ohne jeden Keim im Boden. Da haben wir durch 3 Monate hindurch morgens und abends jene Anlagen, die zu weit vom Wasser weg lagen, so wiederholt die Predigtstuhlanlage, durch die Feuerwehr bespritzen lassen“, liest man 1920 (Franz Siller/Camillo Schneider: Wiens Schrebergärten, Wien 1920, S. 22).

Bewässerung des Predigtstuhls (1917)
Bewässerung des Predigtstuhls (1917)

Es gab auch noch keine Häuser. Unser heutiger Kleingartenverein war ein reiner Kriegsgemüsegarten.
Hauptproblem in den Anfangsjahren – es herrschte kriegsbedingt ja Hungersnot – war der Diebstahl. Bis zu 10 Paare pro Nacht hielten Wache. Gab es vormals die Funktion des Weinhüters in den Weingärten, so gab es jetzt Wachen in Kleingärten. 1918 begann die Aufteilung der Parzellen, und schließlich entwickelte sich die Organisation des Vereins.
Federführend war ein Herr Schrammel, über den leider nichts Näheres in Erfahrung gebracht werden konnte. Er fungierte quasi als erster Obmann des Vereins.

Anteilschein (1922)
Anteilschein (1922)

Die Erste Republik

Mit Erlass der NÖ-Landesregierung (Wien gehörte damals ja noch zu Niederösterreich) findet sich im November 1919 die Eintragung des Vereins „Schrebergarten- und Kleintierzuchtverein Predigerstuhl“.
Die Beifügung Kleintierzucht mag heute seltsam anmuten, war damals jedoch absolute Selbstverständlichkeit. In den damaligen Ausgaben der Zeitschrift "Kleingärtner" findet man genaue Anleitungen zum Bau von Ställen. Gehalten wurden vor allem Hühner und Kaninchen, aber auch die Bienenzucht war weit verbreitet. Der Kleingartenverein Predigtstuhl wird in einer Übersicht über die bis 1919 gegründeten Wiener Kleingärten bereits genannt und mit 200 Parzellen ausgewiesen.
Wie mühsam die Anfangsjahre im KGV Predigtstuhl waren, kann man in einer Broschüre aus dem Jahr 1920 lesen:
„In der nächsten Nähe des ehemals dem Erzherzog Salvator gehörigen Schlosses bietet sie ihren Bearbeitern ein geradezu entzückendes Bild gegen das Dornbachtal, die Hänge des Kahlenberges einerseits und gegen das Häusermeer der Stadt anderseits (…). Es ist ein herrliches Stück Land, was die Aussicht betrifft. Denn sonst haben die Schrebergärtner dort nichts zu lachen. (…) Aber das Schleppen des Wassers vom Auslaufbrunnen bis in die Gärten verursachte solche Mühe, wie sie nur von Leuten auf sich genommen wird, die von ihrer Sache heilig begeistert sind.“ (Franz Siller/Camillo Schneider, Wiens Schreibergärten, Wien 1920, S. 21).
In einer Rückschau aus dem Jahr 1926 finden wir folgende Zeilen über unseren Verein: "Die Kolonie Predigtstuhl liegt auf einem Bergrücken und zieht sich gegen Neuwaldegg hin. Schwere Arbeit mußten die Kleingärtner im Jahre 1918 leisten, als sie begannen, die kleinen Gartenparzellen abzustecken und umzugraben (…). Die Mitglieder gehörten fast durchwegs dem manuell arbeitenden Stande an und so bedeutet der kleine Garten für ihre Familien eine Erholungsstätte. Diese bietet die einzige Möglichkeit in den Sommermonaten den ungesunden Wohnungen zu entfliehen. (…) Der Verein Predigtstuhl mit seiner idealen Lage von Bergluft umfächelt, ist in hohem Maße geeignet, den Proletarierkindern Luft und Sonne zuzuführen. Deswegen hängen aber auch die Kollegen dieser Kolonie mit großer Liebe an ihren Gärten." (Kleingärtner und Siedler, August 1926, S. 5)
Im Dezember 1922 wurde in verschiedenen Tageszeitungen der Verkauf des Schlosses Wilhelminenberg an eine Schweizer Gesellschaft vermeldet. 500.000 m2 sollten parzelliert und 800–1.000 Siedlungshäuser errichtet werden. Konkret liest man in der christlich-sozialen Reichspost: "Außerdem stehen noch die Gründe vom Predigerstuhl in der Richtung gegen Dornbach zur Verfügung." (Reichspost, 29.12.1922, S. 6)
Es kam aber letztlich zu keinem Verkauf, das Gebiet blieb weiter im Besitz von Erzherzog Leopold Salvator (1863–1931). Der Generaloberst und Profiteur des Ersten Weltkrieges (er hatte ein Monopol auf die Lieferung von Dörrobst an die Armee und machte damit einen riesigen Profit) war 1918 nach Spanien geflüchtet (er war mit einer spanischen Prinzessin verheiratet), lebte in Barcelona und kehrte erst 1930 wieder nach Österreich zurück. Schloss Wilhelminenberg war Lazarett und Genesungsheim für Kriegsopfer. 1927 kaufte es die Gemeinde Wien und errichtete ein Kinderheim (seit 1988 Hotel Schloss Wilhelminenberg).

Pachtübereikommen (1927)
Pachtübereikommen (1927)

Da ein Teil des Kleingartenvereins Predigtstuhl auch „Salvatorgründe“ waren, hätte ein Verkauf der Liegenschaft auch Folgen für unseren Kleingartenverein gehabt. Dazu kam es jedenfalls nicht. Ebenfalls im Dezember 1922 gab es interne Schwierigkeiten. Vereinbart mit den Mitgliedern war, dass alle einen Beitrag in Form von Arbeitsstunden leisten, was jedoch offenbar nicht von allen so gesehen wurde: „Jene Mitglieder, die die Arbeitsstunden nicht geleistet haben, müssen eine Pönale von 5.000 Kronen erlegen", liest man in unserer Chronik.

Statuten Pächtergemeinschaft (Salvator)
Statuten Pächtergemeinschaft (Salvator)

Am 25. März 1923 wurden in der Generalversammlung neue Statuten einstimmig angenommen, zum geschäftsführenden Obmann wurde Theo Nöbauer bestellt. Als seine Stellvertreter werden Schrammel und Schleif angeführt (vgl. Siedler und Kleingärtner, Juli 1923, S. 4). Am 22. Juli 1923 wurde ein Schutzhaus (damals Wirtschaftsgebäude bezeichnet) errichtet und in Anerkennung der Leistungen des früh verstorbenen Leiters der Kleingartenstelle der Stadt Wien, Franz Siller (1893–1924), eine Sillerlinde gepflanzt. Der Arbeitergesangsverein „Gräf und Stift“ gestaltete die Einweihungsfeier mit, die mit dem „Lied der Arbeit“ endete. Ein klarer Hinweis, dass der Verein, so wie viele andere zu dieser Zeit auch, sozialdemokratisch ausgerichtet war.
Im Herbst 1923 nahm der KGV Predigtstuhl an der „Wiener Kleingarten-, Siedlungs- und Wohnbauausstellung“ teil. Er präsentierte selbst geerntetes Obst und Gemüse.
1924 dürfte die Außeneinfriedung gebaut worden sein. In den nächsten Jahren wurde die „Kolonie“ weiter ausgebaut. In einem Teil der Gruppe VI wurde eine Einheitseinfriedung errichtet und die Betonstiege zwischen den Gruppen II und III. Wasserfragen beschäftigten die Generalversammlung, ebenso Pachtrückstände von Mitgliedern. Ein, wie es hieß, „immer wiederkehrendes Problem“. Im selben Jahr gab die Gemeinde Wien „Bestimmungen und Richtlinien für die Aufschließung, Aufteilung und bauliche Ausgestaltung von Kleingärten“ heraus.
1926 feierte der Verein sein 10jähriges Jubiläum im Rahmen eines Herbstfestes mit Vorträgen und einer Tanzveranstaltung.
Ferner fand im Gasthaus die zweite Kleingartenausstellung statt: "200 Aussteller sind bis jetzt angemeldet. Zur Ausstellung gelangen: Gemüse, Obst, Blumen und Kleintiere (…). Die Ausstellung selbst wird durch ihre Mannigfaltigkeit ein günstiges Bild bieten. Der geringe Eintrittspreis von 30 Groschen ermöglicht aber auch den Besuch von Kollegen aus anderen Bezirken." (Kleingärtner und Siedler, August 1926, S. 5)
1928 und in den Folgejahren gab es Schwierigkeiten mit dem Grundeigentümer Leopold Salvator; es wurde prozessiert. Im Mai 1928 schied ein Teil der Pächter aus dem Verein aus und gründete einen eigenen Verein „Oberwieden“. Mitglieder dieses neuen Vereins konnten nur Salvatorgrundpächter werden. Da es laufend Verwechslungen mit dem heute noch existenten Kleingartenverein „Oberwieden“ gab, wurde der Name bald auf „Pächtergemeinschaft Salvatorgründe“ geändert.
Mit der Grundeigentümerin Blanka Salvator (1868–1949) wurde vereinbart, dass bei Ablöse eines Pachtverhältnisses keine Prozente an den Verwalter zu errichten sind. Zudem habe nur die Grundeigentümerin, nicht aber der Verein Predigtstuhl auf diesen Flächen zu bestimmen.
Die weitere Entwicklung sei kurz vorweggenommen: 1939 löste sich die Pächtergemeinschaft auf, und die Mitglieder traten wieder in den Kleingartenverein Predigtstuhl ein. Obmann der Pächtergemeinschaft war Stefan Adlavitz (gest. 1944), einer der ältesten Mitglieder des KGV Predigtstuhl.
1929 schuf die Gemeinde Wien Dauerkleingartengebiete. Von dieser positiven Entwicklung profitierte auch der KGV Predigtstuhl, der als Dauerkleingarten ausdrücklich erwähnt wurde. Dieser Schritt war insoferne bedeutend, als bis zu diesem Zeitpunkt Pachtverträge häufig nicht verlängert wurden, was eine große Unsicherheit für die KleingärtnerInnen mit sich brachte. In den Jahren 1929 und 1930 beteiligte sich der Verein an Ausstellungen und gewann Preise.
1931 kam es zu einer Protestversammlung von KleingärtnernInnen des 17. Bezirks. Zwangsenteignungen und Demolierungsaufträge sollten die KleingärtnerInnen vertreiben, da die Gemeinde bei der Franz-Glaser-Gasse bauen wollte. Die dem „Roten Wien“ in Opposition eingestellte christlich-soziale „Reichspost“ weidete diesen Umstand entsprechend aus („Abwehrkampf der Wiener Schrebergärtner“): „Besonders scharf ist der Kampf der Gemeinde Wien gegen die Kleingärtner der Siedlung am Predigtstuhl. (…) Besonders die Siedlung Predigtstuhl ist den Verfolgungen der Gemeinde Wien ausgesetzt“ (Reichspost, 10. 2. 1931, S. 6).
Die KleingärtnerInnen forderten langfristige Pachtverträge und unverzinsliche Kredite durch Gemeinde und Staat. Der KGV Predigtstuhl beriet zusätzlich in einer außerordentlichen Generalversammlung am 31. Mai über die aktuelle Lage.
Interessant ist, dass es auch einen Vereinskonsum gab, der einige Zeit selbst betrieben und später verpachtet wurde. Ein großer Erfolg dürfte ihm jedoch nicht beschieden gewesen sein, wird doch laufend von Pächterwechsel und Außenständen berichtet. Der Vereinskonsum ist aber ein weiterer Hinweis auf den sozialdemokratischen Background des Vereins.
Da eine große Anzahl von Vereinsmitgliedern in den 1930er Jahren arbeitslos war, wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, mit deren Erlös 25 Arbeitslosen eine Weihnachtsfreude gemacht werden konnte. Diese Aktion wiederholte sich 1935; schließlich hatte sich an Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit wenig geändert.
Kaum hatte sich die Aufregung um die Errichtung von Wohnbauten an der Franz-Glaser-Gasse gelegt, erregte das nächste Projekt der Gemeinde Wien Anstoß.
Hinter der Franz-Glaser-Gasse 1 befand sich seinerzeit ein Steinbruch, der, Plänen der Gemeinde Wien zufolge, als Müllablagerungsstätte genutzt werden sollte. Dies wäre ein erheblicher Nachteil für die KleingärtnerInnen gewesen. Der Plan wurde fallen gelassen. Später entstand auf dieser Fläche die Sportanlage der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien (heute Waldstadion der Sportvereinigung Arminen Wien, Jenschikweg 12).
Am 9. August 1936 wurde das 20jährige Jubiläum des Vereins gefeiert. Obmann Lambert Dworacek schilderte die Entwicklung des Vereins, der Gesangsverein der Hernalser Kleingärtner – so etwas gab es damals – umrahmte das Fest. „Seine kaiserliche Hoheit Leopold Habsburg-Lothringen“ (lt. Vereinschronik) und unter anderem der Vertreter der Vaterländischen Front Hernals (die Vaterländische Front war eine Zwangsorganisation im Austrofaschismus) nahmen am Festakt teil. Dass ehemalige Habsburger wieder als „kaiserliche Hoheit“ angesprochen wurden, hängt mit den veränderten Rahmenbedingungen im Austrofaschismus zusammen (Lockerung der Habsburgergesetze).
Neben den üblichen einmal im Jahr abgehaltenen Generalversammlungen gab es in den 1930er Jahren auch eigens und gesondert abgehaltene Generalversammlungen der Sektion „Kleintierzüchter“. Neben der obligaten Stelle des Obmannes gab es einen Zuchtwart und eine Stallkommission.

Fragebogen1941 (Karl Decker war einer der ersten Vereinsmitglieder)
Fragebogen1941 (Karl Decker war einer der ersten Vereinsmitglieder)

Die NS-Zeit

Nach dem „Anschluss“ an Hitlerdeutschland wurden alle Kleingartenvereine, so auch der KGV Predigtstuhl, in den „Reichsbund deutscher Kleingärtner“ zwangseingegliedert.
Es gab keine freien Wahlen mehr, sondern die Mitglieder der Vereine konnten lediglich Vorschläge an den „Landesbund“ (das war der Dachverband für Wien, Nieder- und Oberdonau) machen. Der Landesbundleiter entschied als Letztinstanz.
Es gab Einheitssatzungen, und die Namen der Vereine durften weder das Wort „österreichisch“ noch „ostmärkisch“ enthalten und schon gar nicht durfte „die Erinnerung an Personen des verflossenen Regimes vorkommen“ (aus der Akte der Vereinspolizei).
Genauere Aufzeichnungen zwischen 1938 und 1945 fehlen. Zu den Vereinsleitern zwischen 1938 und 1945 siehe die Liste der Obmänner des KGV Predigtstuhl. Per Verordnung 1939 wurden sonntägliche Gartenbegehungen eingeführt. Mitgliederversammlungen wurden nicht mehr im vereinseigenen Schutzhaus, sondern in verschiedenen Gasthäusern abgehalten.
Der Name des Vereins wurde 1939 auf „Kleingärtner und Kleintierhalterverein Predigtstuhl“ abgeändert.
Die Vertreibung jüdischer Personen aus ihren Wohnungen und auch Kleingärten ist leider auch in unserem Verein dokumentiert. Der jüdischen Witwe des an den Folgen einer Operation im Jahre 1934 verstorbenen Obmannes Karl Rathbauer wurde am 1. August 1938 ihre Parzelle vom Verein aus gekündigt. Irma Rathbauer schrieb sogar an den Reichskommissar, aber per 31. Oktober 1938 musste sie ihre Parzelle räumen. In unserem Vereinsarchiv liegt ein diesbezüglicher Schriftverkehr auf. Das weitere Schicksal von Irma Rathbauer ist ungeklärt, vermutlich wurde sie Opfer des Holocaust bzw. ist dient mit jener Irma Rathbauer, welche von einem Sammellager in der Leopoldstadt in den Vernichtungsort Maly Trostinec deportiert wurde.
Im Zweiten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden die Parzellen wieder für die Lebensmittelversorgung wichtig.
Eine Verordnung aus dem Jahr 1942 hielt fest, dass sich die Kleingärtner an der Aktion „Verstärkter Gemüseanbau in Kleingärten“ halten mussten. Lehrvorträge für Obst- und Gartenbau wurden abgehalten. In unmittelbarer Nähe des Vereins wurde eine Flakstellung errichtet und ein Bunker in den Berg gesprengt. In den Barackenlagern der Flakstellung und in den alten Wirtschaftsgebäuden des Schlosses Wilhelminenberg errichtete 1946 Otto König seine „Biologische Station Wilhelminenberg“.
1943 wurde das „Salvatorgrundstück“ vom Verein erworben und im Grundbuch eingetragen. Das Areal umfasste 30.754  m2, der Verein zahlte 47.054,– Reichsmark. Die bisherigen PächterInnen erwarben das Eigentumsrecht, allerdings war zu diesem Zeitpunkt eine Eintragung in das Grundbuch vom Gesetz her nicht möglich. 1958 wurde dieser Sachverhalt bestätigt. Der Prozess der Eintragung in das Grundbuch zog sich bis in die 1990er Jahre, als durch Gemeinderatsbeschluss der Kauf von Kleingärten und eine Eintragung in das Grundbuch möglich wurden. Betroffen von den Salvatorgrundstücken waren 129 Personen, die entweder ganze Lose oder Anteile hatten.
Bei den Quadratmetern ergab sich eine Differenz zwischen Kaufvertrag (30.754 m2) zu den „43er- und 58er- Bestätigungen“ (32.217 m2) von 1.463 m2.
Diese wurde von den Gartenbesitzern an den Verein bezahlt. Diese Fläche könnte der Bereich an der Oberwiedenstraße und Eselstiege sein, der von den Kleingärtnern benutzt wurde, aber im Eigentum der Gemeinde Wien stand. Dies könnte die Erklärung für die Rückstellung von Grundstücken und den Grundstückskauf 2004 sein. Das Vorgehen der Vereinsfunktionäre in dieser Angelegenheit ist nur mit offensichtlicher Kenntnis der Vergangenheit möglich.

Die Zweite Republik
Die Jahre 1945 bis 1955

Nach dem Krieg wurde der Ausschluss von ehemaligen Mitgliedern der NSDAP aus dem Verein in die Vereinsstatuten aufgenommen. Dies wurde 1952 bestätigt, zumal einige ausgeschlossene Mitglieder geklagt hatten.
Obmann im Jahr 1945 war vorübergehend Rudolf Burda, ehe von 1946 bis 1949 Karl Wagner als Obmann fungierte. Unter seiner Ägide fand auch die 30-Jahr-Feier 1946 statt. Nach wie vor gab es den Gesangsverein der Hernalser Kleingärtner, ja sogar eine eigene Theatersektion. 1948 wird von der Aufführung einer Bauernposse berichtet.

30-Jahr-Feier (1946)
30-Jahr-Feier (1946)

Ein großes Problem für den Verein war jahrzehntelang die Wasserversorgung. In den 1930er Jahren dürfte es Einzelanschlüsse von der Oberwiedenstraße aus gegeben haben, ehe eine Sommerwasserleitung errichtet wurde. Später kam eine Winterwasserleitung hinzu. Die Kosten für die Wasserleitung wurde in der Generalversammlung 1962 übrigens mit S 232.000,– angeführt. 1985 wurde ein Kanal gebaut, und im Zuge dieses Bauprojektes wurde die alte Winterwasserleitung aufgegeben und eine neue mit Anschlussmöglichkeiten für alle Mitglieder gleich mitverlegt.
Doch zurück in die Nachkriegszeit. 1950 übernahm der gelernte Mechaniker Gottfried Krenn (1895–1981) für die nächsten 22 Jahre die Obmannschaft.

Gottfried Krenn
Gottfried Krenn

In der Ersten Republik war er gewerkschaftlich aktiv (Vertrauensmann bei der Gendarmerie) und in der Sozialdemokratie engagiert (Sozialistische Arbeiterjugend). Nach dem Verbot der Sozialdemokratie im Februar 1934 engagierte sich Krenn noch kurzfristig bei den illegalen „Revolutionären Sozialisten“, trat aber bereits im August 1934 der KPÖ bei.
Nach 1945 bekleidete er verschiedene Posten in der Partei, 1945–1949 war er Obmann des Wiener Kleingärtnerverbandes, und seit 1949 war er in führender Position im KPÖ-nahen Zentralverband der Sozialrentner tätig (vgl. Genosse Krenn 70 Jahre, Volksstimme 20. 8. 1965, S. 2 und Gottfried Krenn gestorben, Volksstimme 3. 7. 1981, S. 6).
War der Verein in der Ersten Republik sozialdemokratisch dominiert, so hatte die KPÖ durch ihren Obmann in  den 1950er Jahren eine starke Stellung. Dies entsprach auch der Rolle der KPÖ im Bezirk Hernals.
Der 17. Bezirk war amerikanischer Sektor, die SPÖ hatte im Bezirk die absolute Mehrheit, die KPÖ aber bei den Landtagswahlen 1945, 1949 und 1954 rund acht Prozent Stimmanteil. 1945/46 hatte die KPÖ mit Alois Brunner den Bezirksvorsteher gestellt.
1953 kam es zu einem aufsehenerregenden Zivilprozess, der auch in den Tageszeitungen Niederschlag fand. Insbesondere die ÖVP-Parteizeitung „Neue Wiener Tageszeitung“ berichtete ausführlich („Als am Predigtstuhl der Terror regierte“, NWT, 28. 2. 1953, S. 4).
Zum Hintergrund: Der Schriftsteller Johann Leopold Pock hatte 1939 eine Parzelle gepachtet, war jedoch im Juni 1945 von Vorstandsmitgliedern des Vereins seiner Parzelle verwiesen worden.
Pock konnte vor dem Volksgericht 1950 einen Freispruch erwirken, weil er nicht NSDAP-Parteimitglied und auch kein „Illegaler“ (das waren die Vorwürfe) gewesen war. Daraufhin bekam er seine Parzelle wieder, allerdings in stark beeinträchtigtem Zustand, worauf er die Gemeinde Wien auf Schadenersatz klagte.
Die Angelegenheit hatte ein Jahr später für Obmann Gottfried Krenn Folgen. Ihm wurde vorgeworfen, 1945 die Parzellen minderbelasteter Nationalsozialisten in Beschlag genommen bzw. die Pächter verjagt zu haben. Krenns politische Einstellung wurde entsprechend hervorgehoben („Strafanzeige gegen einen Nationalratskandidaten der KPOe“, Das kleine Volksblatt, 26. 8. 1954, S. 3); in der Zeit des Kalten Krieges und der Ausgrenzung der KPÖ gängige Praxis.
Auf die Obmannwahl im KGV Predigtstuhl hatte diese Aufregung allerdings keine Auswirkung. Die Generalversammlung 1952 wählte Krenn neuerlich zum Obmann, Hugo Duenboestel blieb Schriftführer. Karl Prinz wurde Obstbaufachmann (es gab eine Obstbaufachgruppe) und für seine jahrelange Tätigkeit im Verein geehrt. Der Ausschluss der ehemaligen NSDAP-Mitglieder, der 1945/46 erfolgt war, wurde bestätigt. Das Interesse an der Thematik war enorm, was sich an der TeilnehmerInnenzahl ausdrückte: Mit 156 Personen war die Generalversammlung so gut besucht wie nachher nie mehr (Vergleich z. B. 88 Personen 1969; dies entsprach bzw. entspricht dem Durchschnittswert von GV-Besuchen).
Interessant ist, dass 1952 die Tierhaltung im Garten noch ein Thema war. Verbilligtes Tierfutter war über den Verein zu beziehen. Acht Jahre später liest man in den Generalversammlungs-Protokollen, dass nur mehr in zwei Gärten Kleintierhaltung betrieben wird. Die Generalversammlung hatte wie damals üblich der Gesangsverein der Hernalser Kleingärtner eröffnet.
1953 fällte der Oberste Gerichtshof eine Entscheidung in Angelegenheit Rückstellung von Kleingärten. Es ging darum, dass im Kleingartenverein Predigtstuhl 80 Gründe Pacht- oder Eigentumsgründe des ehemaligen Erzherzog Salvator waren („Salvatorgründe“); die Mitglieder waren auch dem KGV Predigtstuhl beigetreten. 1942 waren sie zum Kauf angeboten worden. Als Treuhänder fungierte der KGV Predigtstuhl, die Pächter zahlten Grundsteuer, aber keinen Pachtzins mehr.
1945 kam zu Streitereien, die in gerichtlichen Auseinandersetzungen mündeten. Der OGH entschied, „daß es sich hier nicht um einen Fruchtgenuß, sondern selbstverständlich um ein erworbenes, wenn auch nicht grundbücherlich intabuliertes Eigentumsrecht handelt, auf das der Vereinsvorstand keinen Einfluß hat.“ (Neue Wiener Tageszeitung, 4. 11. 1953, S. 3)
Die Kleingärtner erhielten also, egal ob Sie NSDAP-Mitglieder waren oder nicht, ihre Parzellen zurück. Daher entschied 1956 das Bezirksgericht Hernals in der Rechtsangelegenheit gegen zwei Kleingartenpächter zu Ungunsten des KGV Predigtstuhl. Diese waren 1945 „vertrieben“ worden; sie bekamen ihre Parzellen wieder zurück (vgl. Wiener Montag, 23. 1. 1956).

Die Jahre 1955-1980

1958 kam es zu einer Mitgliederversammlung betreffend Salvatorparzellen. Der Verein blieb weiter grundbücherlicher Eigentümer. Die Mitglieder hatten Losanteile bezahlt; das Besitzrecht des Losanteils war garantiert. Im Einvernehmen mit der Vereinsleitung konnten die Losanteile übertragen werden.
Ferner erhielten ehemalige Mitglieder ihre Gärten zurück, was zu erheblichen Problemen führte. Neue Besitzer hatten zum Teil bereits investiert. Ablösen mussten bezahlt werden; zum Teil konnten sich die ehemaligen Mitglieder die Ablösen nicht leisten und erhielten daher ihre Gärten nicht zurück.
Der damalige Ehrenobmann Krenn stellte in der Generalversammlung 1977 zu diesem Thema fest: „Ehrenobmann Krenn meldet sich zu Wort und berichtet: Er ist seit 1918 Kleingärtner, der Verein Predigtstuhl war geteilt. Von Erzh. Salvator wurde das Grundstück anteilsmäßig angekauft. Eine grundbücherliche Eintragung ist nicht möglich und wurde von ihm auch niemals versprochen. Obm. Schindler erklärt dazu, daß im Jahre 1958 eine Abstimmung erfolgte, in der mit 4/5 Mehrheit beschlossen wurde, den alten Zustand beizubehalten.“
Im September 1954 feierte der Gesangsverein der Hernalser Kleingärtner sein 25jähriges Bestandsjubiläum. Langjährige Chormitglieder und Obmann Robert Sagl wurden geehrt. Im gleichen Jahr feierte der Verein sein 40jähriges Bestandsjubiläum im Etablissement Klein (heute Metropol).
Obmann Krenn hielt eine historische Rückschau, der Orchesterverein „Dornbach-Neuwaldegg“ (unter der Leitung von Franz Köstelbauer) und der Gesangsverein der Hernalser Kleingärtner (unter Robert Sagl) begleiteten den Festakt musikalisch. Von den Gründungsmitgliedern lebte noch Antonie Adlavitz (Witwe des ehemaligen Obmanns der „Pächtergemeinschaft“). Sie erhielt den goldenen Ehrenring des Zentralverbandes.

Mitgliedsbücher (alt und neu)
Mitgliedsbücher (alt und neu)

Was heute eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich Müllbehälter, war es bis 1960 nicht. Erst in diesem Jahr wurden 27 Koloniakübel aufgestellt, und eine Lichtleitung wurde zu verlegen begonnen. Bis 1965 existierte eine sogenannte Lichtgemeinschaft. 1951 wurde um eine Bewilligung für die Errichtung von Leitungen beim E-Werk angesucht. 1965 erfolgte Instandsetzung und Übernahme der Anlage durch das E-Werk.
Aus dem Protokoll der Generalversammlung 1961 geht hervor, dass es im Sommer einen Greißler gab. Es wurde aufgerufen, bei ihm zu kaufen, da es schwer wäre, einen Pächter für die Sommermonate zu finden. In diesem Jahr wurde auch ein Fluchtlinienplan für die Parzellen an der Oberwiedenstraße festgelegt.
Probleme gab es mit den Gartenhäusern. 60 Mitglieder des Vereins erhielten Abbruchbescheide, wogegen Verein und Zentralverband intervenierten. Der Verwaltungsgerichtshof entschied 1964 gegen die KleingärtnerInnen, aber durch Vorsprachen in der Politik wurde der Bescheid 1966 sistiert. Aus den Protokollen der Generalversammlung 1962 geht hervor, dass die Eröffnung der Sitzungen nach wie vor musikalisch bestritten wurde. Der Gesangsverein der Hernalser Kleingärtner trug zwei Lieder vor, aber ein Jahr später wurde er aufgelöst.
Im Oktober 1966 wurde im Gasthaus „Grünes Tor“ in der Lerchenfelder Straße das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert; der Verein erhielt die goldene Plakette des Zentralverbandes.
Ein auch heute durchaus aktuelles Thema beschäftigte bereits 1967 den Verein und sollte in der Folge regelmäßig auftauchen, nämlich der große Zeitaufwand der Funktionäre für ihre Arbeit und die mangelnde Wertschätzung durch einige unzufriedene Mitglieder:
1969 wurde in der Generalversammlung darauf hingewiesen, dass Beschlüsse der Generalversammlung auch einzuhalten wären. Außerdem wurde der mangelnde Besuch der GV kritisiert. Auch diesen Umstand hört man in den Folgejahren häufig.
1968 wurde ein öffentlicher Fernsprecher aufgestellt. Die Gartenhäuschen waren in der Regeel nicht mit Telefonen ausgestattet, und das Handy war noch nicht erfunden.
Aus dem Rechnungsabschluss 1971 geht hervor, dass zwischen 1967 und 1971 die Wege saniert wurden. Die Kosten hierfür betrugen die beträchtliche Summe von S 600.000,–.
In der Anlage des Vereins befand sich auch das Gasthaus der Familie Venier, welches offenbar einen schlechten Ruf genoss.
In der Generalversammlung 1971 wurde von einem schlecht geführten Gasthaus berichtet, auch von Raufereien und Belästigungen der KleingärtnerInnen ist die Rede. Venier machte dem Verein ein Verkaufsangebot. Unter Obmann Lorenz Schindler wurde das Gasthaus 1972 mit Hilfe des Zentralverbandes um 450.000 Schilling erworben (mit Steuern 513.354,90).
Es ist nach wie vor im Besitz des Vereins, wird aber nicht von ihm selbst bewirtschaftet, sondern verpachtet.
1973 wurde Gottfried Krenn zum Ehrenobmann ernannt, Lorenz Schindler zum geschäftsführenden Obmann. 1974 wurde der Wechsel endgültig vollzogen, Gottfried Krenn für seine langjährige Tätigkeit geehrt.

Lorenz Schindler
Lorenz Schindler

1975 wurde in der Generalversammlung erstmals von einer Häufung von Einbrüchen berichtet. Der spätere langjährige Obmann Helmuth Hajicsek wurde Schriftführer-Stellvertreter, der spätere langjährige Funktionär Johann Kamenik Kassier-Stellvertreter. Der Siborweg wurde benannt, die Schulden des Vereins waren abbezahlt.
Hohe Investitionen in den vergangenen Jahren (Erneuerung sämtlicher Wasserschächte, Überprüfung aller Winterwasserleitungen, Errichtung von Zäunen und Mauern beim Vereinshaus und beim Vereinsgarten) waren die Ursache der Verschuldung gewesen.
Seit 1975 heißt der Verein auch offiziell „Kleingartenverein Predigtstuhl“ (1919 Schrebergarten- und Kleintierzuchtverein Predigerstuhl, später Schrebergarten- und Kleintierzuchtverein Predigtstuhl, 1939 Kleingarten- und Kleintierhalteverein Predigtstuhl, nach 1945 Kleingärtner- und Kleintierzüchterverein Predigtstuhl im österreichischen Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter).
Am 3. September 1976 wurde die 60-Jahr-Feier des Vereins begangen.
Ein wiederkehrendes Problem war das Gasthaus. Bereits 1977 wurde in der Generalversammlung von Schwierigkeiten mit einer Pächterin berichtet; ein in den Folgejahren immer wieder auftauchendes Problem. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Sommer nach wie vor noch das Lebensmittelgeschäft. Leider geht aus den Unterlagen nicht hervor, wie lange dieses Geschäft bestand.
Das Halten von Katzen blieb verboten; Hundebesitzer sollten Rücksicht auf die Nachbarn nehmen. Angesprochen wurden ferner desolate Gärten und grobe Unhöflichkeiten gegenüber Vereinsfunktionären.
Ebenfalls 1977 wurden TV-Aufnahmen im Vereinsareal gemacht. Der Bericht wurde am 10. 6. 1977 in der Sendung „Wir“ gezeigt. Delegationen aus Kopenhagen und Göteborg besuchten die Anlage.
Motorisierung und Wohlstand zeigten Folgen: Einfahrten für Autos bei den Parzellen werden toleriert, aber sie müssen nicht freigehalten werden (1982 noch einmal ausdrücklich festgehalten).
Auf Grund des gewachsenen Arbeitspensums gab es seit 1978 zwei Obmannstellvertreter (Josef Schmid, Rudolf Korber).
Die Magistratsabteilung führte 1979 Gartenbegehungen durch und kritisierte die zu hohen Bäume. Im Verein wurden Orientierungstafeln angebracht.
Nachdem schon 1979 beschlossen wurde, bei Gartenübertragungen eine Begehung durchzuführen, wurde 1981 fixiert, dass bei der Weitergabe von Gärten auch eine Schätzung durch den Verein zu erfolgen habe (heute ist ein Schätzgutachten unabhängiger Schätzgutachter Bedingung bei einer Gartenübertragung).
Ein Jahr später wurde in den Hernalser Kleingärten eine einheitliche Mittagsruhe von 12 Uhr 30 bis 14 Uhr 30 festgelegt. Ferner mussten ab diesem Jahr beim Umbau von Häusern die Kamine entfernt werden.

Die 1980er Jahre bis 2022

1982 wurde in der Franz-Glaser-Gasse ein Kanal gebaut, und einige Mitglieder wurden zum Anschluss an dieses Kanalnetz verpflichtet. Daraufhin beschloss die Generalversammlung (1983) die Errichtung eines Kanals für den gesamten Verein. Hierfür musste ein dreijähriger Zwischenkredit über 1,5 Millionen Schilling aufgenommen werden. Die Kosten für den Kanalbau bezahlten die Mitglieder, allerdings sollte das einzelne Mitglied nicht mehr als S 20.000,– bezahlen müssen. Man war um gerechte Aufteilung bemüht. 1985 war der Kanal fertiggestellt.
1984 wurde beschlossen, dass Gärten unter 120 m2 nicht mehr weitergegeben werden. Ziel war es, einige kleinere Parzellen in größere Einheiten einzugliedern. Ferner wurde in der Generalversammlung die Sanierung von Wegen und Zäunen fixiert.
Die Weitergabe der Gärten wurde 1985 neu geregelt: ein Schätzgutachter wurde zwischengeschaltet (Ausnahme: Verwandte in gerader Linie). Außerdem waren seit 1986 bei Neuübernahme eines Gartens S 5.000,– an den Verein zu bezahlen. Im selben Jahr sorgte die Gemeinde Wien für eine Beleuchtung des Jenschikwegs. Interessant ist, dass in der Generalversammlung 1986 ausdrücklich auf den sozialen Aspekt bei der Übertragung von Gärten hingewiesen wurde.
Zur 70-Jahr-Feier des Vereins erschien eine Broschüre. An der Feier nahm auch das älteste Mitglied (Frau Amalie Merhal, Mitglied seit 1921, Parzelle 174) teil. Für die Böschungsbenutzung (5.052 m2) in der Franz-Glaser-Gasse musste der Verein eine hohe Nachzahlung leisten (S 90.000,–). In der Folge wurden die Grenzen neu vermessen, weil die alten Grenzen nicht mehr erkennbar waren. 1987 hielt der Computer auch in den Verein Einzug: Was heute selbstverständlich ist, war damals neu. Erstmals erfolgte die Abrechnung elektronisch.
1989/90 wurde die Winterwasserversorgung für alle Parzellen fertig gestellt und die Sommerwasserleitung stillgelegt. In den Jahren davor war es immer wieder zu hohen Wasserverlusten gekommen.
1988 starb Obmann Lorenz Schindler, sein langjähriger Stellvertreter Josef Schmid legte wegen Erkrankung seine Funktion nieder, Rudolf Korber schied aus. Helmut Hajicsek übernahm provisorisch die Obmannschaft, Alfons Schwingshandl wurde sein Stellvertreter, Johann Kamenik blieb Kassier. Auf einen zweiten Obmannstellvertreter wurde verzichtet. Diese Rollenverteilung wurde in der folgenden Generalversammlung bestätigt.

Helmuth Hajicsek
Helmuth Hajicsek

Josef Schmid wurde Ehrenobmann (er verstarb 1990). Die Benennung eines Wegs nach Lorenz Schindler (analog den Gepflogenheiten mit seinen Vorgängern Karl Wagner und Gottfried Krenn) scheiterte am Einspruch seiner Witwe (ihr Mann hätte lieber Blumennamen gehabt).
In der Generalversammlung 1990 wurde Johann Risnar neuer Stellvertreter von Obmann Hajicsek. Schwingshandl wurde Wasserbeauftragter, ein Team von sechs Mitgliedern stand ihm zur Unterstützung beiseite.
1991 wurde mit Erwin Bosch wieder ein zweiter Obmannstellvertreter installiert. Trotz Verlegung der Winterwasserleitung kam es laufend zu Wasserverlusten, die häufig nur schwer zu verorten waren. 1982 wurde vergessen, von den ausführenden Firmen einen Wasserleitungsplan einzuholen, und außerdem handelte es sich beim Leitungsnetz um eine gewachsene zum Teil schwer nachvollziehbare „Struktur“. Erschwerend kam hinzu, dass Versorgungsleitungen teilweise durch die Gärten verlegt wurden.
In den 1990er Jahren häuften sich Berichte über Einbrüche; ein Streifendienst mit Hunden wurde vom Verein beantragt. Die Polizei erhielt Schlüssel für die Anlage.
Die Kleingartennovelle 1992 führte das ganzjährige Wohnen ein und war damit eine Zäsur für den Verein. Bei winterfester Wasserleitung und Kanalanschluss wurde ganzjähriges Wohnen erlaubt, und eine neue Baugröße von 50 m2 war möglich. Obmann Janda (Zentralverband) berichtete darüber ausführlich in der Generalversammlung 1992. Für 1994 wollte das Gaswerk im Verein die entsprechenden Leitungen verlegen, allerdings unter der Voraussetzung, dass mindestens 43 Parzellen angeschlossen werden.
1994 wurde ein Zubau beim Vereinsgasthaus errichtet (Wasch- und WC-Anlage, zusätzlicher Gastraum), was auch eine Erhöhung des Pachtzinses zur Folge hatte, wovon alle Mitglieder profitierten. Neue Statuten waren ausgearbeitet worden und wurden in der Generalversammlung mehrheitlich beschlossen. Sie ersetzten die bis dahin geltenden Statuten aus dem Jahr 1946. In den Wasserschächten wurden Subwasserzähler eingebaut, wodurch Wasserfehlmengen verringert werden konnten. Auf Grund vieler Anträge musste die Generalversammlung zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte auf zwei Termine aufgeteilt werden. Im Vorstand ergab sich eine Veränderung: Johann Kamenik wurde stellvertretender Obmann (anstelle von Johann Risnar), Bosch blieb ebenfalls stellvertretender Obmann.
1995 wurde eine von den Mitgliedern initiierte Unterschriftenliste mit dem Wunsch der Umwidmung auf EklW (Grünland – Erholungsgebiet Kleingartengebiet für ganzjähriges Wohnen) an die MA-21 (Grundeigentümerin) und an die Bezirksvorstehung Hernals übergeben. Eine Umwidmung in EklW war Voraussetzung für die Möglichkeit ganzjährigen Wohnens. Die möglichen anfallenden Kosten für die Umwidmung verunsicherte so manches Mitglied. Die Vereinsleitung gab bekannt, dass sich für die Gasversorgung bereits ausreichend Mitglieder vormerken haben lassen. Eine Vermessung der Anlage wurde beschlossen, ebenso neue Ruhezeiten (12 Uhr bis 15 Uhr bzw. 20 Uhr bis 6 Uhr).
Die Gasthaussanierung und die Adaptierung des Vereinshauses wurden durch die Spende eines Mitglieds ermöglicht.
Im September 1996 fand die 80-Jahr-Feier des Vereins statt. Im selben Jahr stellte Obmann Hajicsek fest, dass seinerzeit an Erzherzog Salvator mehr Quadratmeter bezahlt wurden, als tatsächlich in der Natur vorhanden waren, was er mit den damaligen ungenauen Vermessungsmethoden begründete.
Seit 1997 darf in einer Funktionsperiode nur mehr ein Mitglied pro Parzelle eine Funktion ausüben. 1998 wurde beschlossen, dass bei einem Bauvorhaben eines Mitglieds eine Kaution von Euro 1.500,– zu hinterlegen ist.
1999 wurde die Ruhezeit am Wochenende in der Früh auf 8 Uhr 30 verlegt.
Die Funktionen von Obmann Helmut Hajicsek und seinen beiden Stellvertretern Erwin Bosch und Johann Kamenik wurden in der Generalversammlung 1999 bestätigt. Im selben Jahr wurden die Gasrohre am Gottfried-Krenn-Weg verlegt, und am Karl-Prinz-Weg wurde eine Wasserleitung errichtet, womit die immer wieder auftretenden Wasserverluste minimiert werden konnten.
In der Generalversammlung vom 29. 4. 2000 wurde die Novelle des Kleingartengesetzes 1996 und ihre Auswirkung auf den Verein thematisiert: Die Erhaltung, Beleuchtung und Reinigung der Aufschließungswege oblag ab sofort den Vereinen. Daher war es notwendig, auch in unserem Verein eine Innenbeleuchtung zu installieren, was im selben Jahr noch durchgeführt wurde. Zudem musste auch eine Schneeräumfirma engagiert werden.
Das Jahr 2000 war ein Jahr intensiver Tätigkeit im Kleingarten, denn neben der Innenbeleuchtung wurden auch die Wasserschächte am Gottfried-Krenn-Weg fertiggestellt sowie sieben neue Tore angeschafft (zwei wurden noch im selben Jahr installiert, die anderen fünf im Jänner 2001).
Durch die Kleingartennovelle 1999 ergab sich, dass ab 1. 5. 2000 auch Ehepartner und Lebensgefährten gemeinsam einen Pachtvertrag abschließen konnten.
In der Generalversammlung vom 28. 4. 2001 schied der langjährige verdiente Funktionär Erwin Bosch aus persönlichen Gründen aus dem Verein aus und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Obmann des Vereins blieb weiterhin Helmut Hajicsek, Johann Kamenik sein Stellvertreter. In diesem Jahr wurden der Karl-Rathbauer-Weg und der Gottfried-Krenn-Weg mit einem neuen Belag versehen. Und die Post stellte neue Briefkästen auf.
In der Generalversammlung vom 21. 4. 2002 wurde beschlossen, Wasserzähler mit Funkuhren anzuschaffen. Die Ruhezeiten 12 – 15 Uhr und 22 – 6 Uhr wurden von den Mitgliedern mit großer Mehrheit bestätigt.
In diesem Jahr wurde Obmann Hajicsek wurde für seine 25jährige Vereinstätigkeit mit der goldenen Ehrenplakette des Zentralverbandes ausgezeichnet. Leider kam es auch zu Vandalenakten im Verein: Mehrere Wasserzähler wurden beschädigt; der Täter konnte von der Polizei glücklicherweise ausfindig gemacht werden.
In der Generalversammlung vom 17. 4. 2004 konnte die Vereinsleitung berichten, dass der lang ersehnte Teilungsplan, Voraussetzung für die Eintragungen ins Grundbuch, im Jahr zuvor rechtskräftig wurde. Für den Eigentumserwerb der Parzellen wurde ein Kaufpreis von Euro 280/m2 abzüglich 45 Prozent Ermäßigung genannt. Die dreijährige Frist für den Preisnachlass sollte ab Rechtskraft des Teilungsplanes beginnen. Berichtet wurde auch von einem Wechsel des Gasthauspächters, und es gab wieder Wasserverluste in der Anlage, die nicht erklärbar waren.
2005 wurde der Teilungsplan der Anlage tatsächlich ins Grundbuch eingetragen. Dies war Voraussetzung, dass man bei der MA 37 um einen Feststellungsbescheid zur Abänderung der gemäß § 71 Bauordnung erteilten Bewilligung (gegen jederzeitigen Widerruf, ohne Entschädigung) in eine Bewilligung gemäß § 70 Bauordnung ansuchen konnte.
Für die Eintragung ins Grundbuch wurden Vereinsgrundbesitzern Varianten vorgeschlagen. Pachtgrundbesitzer konnten der Gemeinde (MA 69) ihre Kaufabsicht mitteilen.
Durch das neue Abfallwirtschaftsgesetz gibt es seit 2006 eine ganzjährige Müllentleerung. Die Mistkübel der einzelnen Gärten wurden durch Mülltonnen, welche von der MA 48 aufgestellt wurden, ersetzt. Es ist also gar nicht so lange her, dass etwas, das uns heute als selbstverständlich erscheint, als Neuerung eingeführt wurde.
Liest man die Mitgliederinformationen dieser Jahre durch, so stößt man immer auf ein Problem, nämlich das des Überhanges auf Aufschließungswegen. Den Vereinsstatuten entsprechend haben die Mitglieder herausragende Gewächse am Weg entlang der Parzelle zu entfernen. Im Zuge von Gartenbegehungen wurde auch von ungepflegten nicht kleingärtnerisch genutzten Parzellen berichtet. Als weitere Probleme wurden in der Anlage frei herumstreunende Katzen und Hundstrümmerln auf den Vereinswegen ausgemacht. Auch auf die Einhaltung der Ruhezeiten musste mehrfach in Aussendungen der Vereinsleitung hingewiesen werden.
Das Vereinsgesetz 2002 erforderte Statutenanpassungen, welche etwas verspätet in der Generalversammlung vom 28. 4. 2007 debattiert wurden. Zwar wurden angepasste Statuten bereits im Jahr davor an die Vereinsbehörde gesandt, aber diese wurden mit der Aufforderung, weitere Anpassungen vorzunehmen, von der Behörde wieder retourniert.
In dieser Generalversammlung kam es auch zu einem Obmann- und Generationenwechsel.
Marliese Achitz hatte ihre Funktion als Obmannstellvertreterin bereits zuvor zurückgelegt, und Dipl.-Ing Thomas Novak war als Nachfolger kooptiert worden. Die Generalversammlung wählte den Diplomingenieur der Elektrotechnik und damaligen Assistenten an der Technischen Universität zum neuen Obmann. Der langjährige Obmann Helmut Hajicsek wurde zum Ehrenobmann gewählt.

Thomas Novak
Thomas Novak

Mag. Brigitta Birnbaum und Mag. Wolfgang Brosche wurden Stellvertreter von Obmann Novak. Brosche war bereits Schriftführer unter dem alten Vorstand gewesen. Und der seit 2004 im Verein als Schriftführer tätige Mag. Klaus Brosche wurde Kassier. Gruppenleitung, Kontrolle und Rechnungsprüfung wurden vollständig besetzt.
Nach dem engagierten Mitglied Adolf Markus wurde ein noch unbenannter Weg in Markusweg benannt.
Auf Grund hitziger und langer Debatten, insbesondere über die Frage neuer Statuten, musste die Generalversammlung aus zeitlichen Gründen zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden. Dies geschah am 23. 6. 2007. Mehrheitlich wurden neue Statuten beschlossen. Die Debatte war damit aber nicht zu Ende; es wurde ein Arbeitskreis Statuten 2008 bestehend aus den Mitgliedern Erwin Bosch, Sonja Gösselbauer, Heinrich Kripel, Adolf Markus und Ing. Günther Woch eingerichtet, der einen neuen Entwurf ausarbeitete. Dieser wurde mit dem Vorstand abgestimmt, in der Generalversammlung 2008 erfolgreich zur Beschlussfassung eingebracht und schließlich von der Vereinsbehörde bestätigt.
In der Generalversammlung vom 26. 4. 2008 wurde von einer erfreulichen Neuerung – die uns heute selbstverständlich erscheint – berichtet: Eine Website wurde eingerichtet. Unter www.kgv-predigtstuhl.at findet man nützliche Informationen über den Verein, die allen zugänglich sind. In einem eigenen Mitgliederbereich sind die Mitteilungen des Vereins und die Protokolle der Generalversammlungen abrufbar.
Weniger erfreulich – und leider ein Zustand, der bis heute anhält und für den es auch nicht wirklich eine Lösung gibt – ist, dass immer wieder NichtkleingärtnerInnen mit Autos vorfahren und Mist in unseren Mistkübeln abladen. Dies geschieht vor allem im Bereich der Franz-Glaser-Gasse bzw. überall dort, wo Mistkübeln frei zugänglich sind. Die Biotonnen entlang der Oberwiedenstraße wurden von der MA 48 abgezogen. Als Alternative stand es allen Pächtern frei, einen formlosen Antrag auf eine eigene Biomülltonne zu stellen. Zusätzlich wurde auf dem Areal des Vereinshauses ein absperrbarer Müllplatz geschaffen.
Turbulent verlief das Jahr 2009. In diesem Jahr kam es zu einem kompletten Austausch des Vereinsvorstandes, und es wurden gleich drei Generalversammlungen abgehalten. Was war geschehen?
Im März 2009 erfuhren die Mitglieder, dass alle Vorstandsmitglieder inklusive dem Obmann am 17. 3. 2009 von ihren Funktionen zurückgetreten sind. Angeführt wurden berufliche Gründe, aber auch Kritik am Vorstand durch eine Handvoll Mitglieder, die „in nicht tragbare persönliche und nicht sachliche Aussagen gemündet“ hätte. Die Mitglieder der Kontrolle legten ihre Funktion ebenfalls nieder, weil es ja jetzt niemanden mehr gäbe, den man zu kontrollieren habe. Für 25. April wurde eine außerordentliche Generalversammlung einberufen.
In der genannten Versammlung verzichtete DI Novak auf sein Recht, über das abgelaufene Vereinsjahr 2008 zu  berichten. Laut Statuten war das älteste Mitglied ermächtigt, diese außerordentliche Generalversammlung einzuberufen. Als Vertreter seines Onkels leitete Franz Podskalsky diese Versammlung und wurde auch zum neuen Obmann des Kleingartenvereins gewählt. Marianne Mugitsch wurde Kassier, Harald Dworschak ihr Stellvertreter, und Christine Sirowatka Schriftführerin. Damit war die Gefahr einer Vereinsauflösung gebannt, und die Vereinstätigkeit konnte fortgesetzt werden.
Im Anschluss an die außerordentliche Generalversammlung fand eine ordentliche Generalversammlung statt, in der es zu lebhaften Diskussionen kam. Die Versammlung bestätigte den Vorstand. Bernhard Eichler wurde zum Obmannstellvertreter gewählt.
Da zwei Versammlungen sich zeitlich nicht ausgingen, musste die Generalversammlung unterbrochen werden. Die Fortsetzung am 20. 6. 2009 fand erstmals im Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz statt, da dort – im Gegensatz zum Pensionistenheim in der Alszeile – keine Saalmiete zu bezahlen war.
Die Veranstaltung war recht mager besucht (nur 59 Mitglieder nahmen teil), aber es konnte immerhin der Funktionärsstab komplettiert werden: Kontrolle und Rechnungsprüfung wurden installiert. Erfreulicherweise konnten auch zwei Wasserbeauftragte gefunden werden (Manfred Leber, Franz Wenzl), und es gab drei Gruppenleiter.
Lebhaft debattiert und – leider – seither ungelöst ist die Angelegenheit Schacht-2-Weg. Intensiv diskutiert wurde auch, ob der Verein weiter ein Gasthaus betreiben soll. Letztlich fiel die Entscheidung zu Gunsten der Suche nach einem neuen Pächter aus.
Am 31. 10. 2009 fand neuerlich eine außerordentliche Generalversammlung statt, in der der neue Obmann Bernhard Eichler (Franz Podskalsky war aus familiären und gesundheitlichen Gründen am 5. 7. 2009 zurückgetreten) seine Vorstellungen von der Führung des Vereins präzisierte. Ein gläserner Verein, der ausschließlich den Mitgliedern dient, wäre das Ziel. Offenheit und Klarheit wären wichtige Anliegen der neuen Vereinsführung. Der alte Vereinsvorstand hatte, so sein Bericht, am 7. 5. 2009 das Vereinshaus und alle Unterlagen übergeben. Seither wurden bereits einschneidende Änderungen durchgeführt: Steuerberater und Buchhalter wurden eingespart, der Vereinsanwalt gewechselt und eine Kommission einberufen, welche die Tätigkeit des vorigen Vereinsvorstandes untersuchen sollte.

Bernhard Eichler
Bernhard Eichler

Für Garteninteressenten wurde die Regelung getroffen, dass sie als außerordentliche Mitglieder auf eine Warteliste kommen.
Ende 2009 hatten sich 20 Freiwillige zur Böschungsrodung bei der Eselsstiege/Franz-Glaser-Gasse zusammengefunden. Und im selben Jahr konnte noch ein Wasserplan erstellt werden. Ehemalige Funktionäre, die neuen Wasserwarte und die neue Vereinsleitung hatten eine „Wassersitzung“ abgehalten, die wichtige Erkenntnisse über Wasser- und Kanalanschlüsse erbrachte.
Die Generalversammlung 2010 war mit 96 Mitgliedern wieder gut besucht. Einstimmig wurde eine „eiserne Reserve“, das Vereinsvermögen betreffend, beschlossen. Franz Podskalsky wurde zum Schriftführer gewählt, da die bisherige Schriftführerin ihre Funktion zurückgelegt hatte. Die Angelegenheit Schacht-2-Weg wurde neuerlich diskutiert und der Vereinsvorstand ermächtigt, die Zuständigkeit für die Betreuung mit der MA 28 zu klären.
In einer kurzfristig einberufenen außerordentlichen Generalversammlung wurde am 26. 6. 2010 dieses Problem noch einmal eingehend diskutiert und der Beschluss gefasst, den Weg aus Sicherheitsgründen bzw. Haftungsgründen zu sperren. In einer zweiten außerordentlichen Generalversammlung am 18. 9. 2010 wurde die Vereinsleitung ermächtigt, einen Umwidmungsantrag für den Schacht-2-Weg an die zuständige MA 21 zu stellen. In einer am selben Tag abgehaltenen Vorstandssitzung wurde mit Peter Vrochta ein zusätzlicher Obmannstellvertreter installiert.
2012 tauschte die Post die nicht EU-konformen Hausbrieffachanlagen aus.
Die Generalversammlung am 14. 4. 2012 verlief wieder in ruhigeren normalen Bahnen ab. Einziges Problem war die Schneeräumfirma und die Beendigung des Pachtverhältnisses Gasthaus auf Wunsch des Pächters mit Ende 2011. Ein neuer Pächter musste gesucht werden. Christine Sirowatka und Peter Vrochta legten nach dreijähriger Mitarbeit im Verein ihre Funktionen zurück.
Nachdem der Pächter des Gasthauses den Vertrag vorzeitig gekündigt hatte, wurden verborgene Mängel und Beanstandungen seitens der Behörden festgestellt, worauf entsprechende Investitionen getätigt wirden mussten.
In der Generalversammlung vom 13. 4. 2013 wurde wieder einmal auf den Mangel an FunktionärenInnen hingewiesen. 84 anwesende Mitglieder bestätigten den Vereinsvorstand: Obmann Bernhard Eichler, Kassier Harald Dworschak, Schriftführerin Daniela Nemeschkal und Pia Sauer als ihre Stellvertreterin. Nach seiner Genesung wurde Franz Podskalsky am 7. 7. 2013 wieder als Obmannstellvertreter kooptiert.
Anlassbezogen entwickelte sich eine Diskussion über die neue Verkehrsregelung in der Oberwiedenstraße. Auf Grund einer anonymen Anzeige begann die Polizei widerrechtlich geparkte Fahrzeuge abzuschleppen. Die Situation konnte erst ein Jahr später bereinigt werden, als die Bezirksvorstehung beidseitiges Parken erlaubte, aber Ausweichmöglichkeiten einrichtete, womit allerdings nicht wenige Parkplätze verloren gingen.
Die Schlösser und Türen des Vereinshauses mussten in Folge eines Einbruches im Mai getauscht werden. Aus dem versperrten Tresor wurde die Handkasse entwendet; der Zentralverband der Kleingärtner und Siedler Österreichs erstattete ein Jahr später die Hälfte des Betrages kulanzhalber zurück. Die Polizei fand eine fremde DNA, aber nicht den Täter. Im Herbst 2013 kam es neuerlich zu einem Einbruch; diesmal fehlte nichts.
In der Generalversammlung am 29. 3. 2014 im Schutzhaus Am Ameisbach wurden Kontrolle (Hildegard Holzhacker, Erich Lieb, Doris Wagner) und Rechnungsprüfung (Antal Nemeth) in ihren Funktionen bestätigt. Peter Autengruber, der seit 1. 12. 2013 im Verein als Gruppenleiter tätig war, wechselte von der Kontrolle in die Rechnungsprüfung.
Auf Grund zahlreicher Anträge und einer langen erfolglosen Diskussion über eine neue Gartenordnung musste die Generalversammlung unterbrochen werden. In der Fortsetzung am 18. 5. 2014 wurden die restlichen Anträge abgearbeitet.
Nachdem das Gasthaus einige Zeit leer gestanden war, konnte mit Stefanie Smolik-Abutalib eine neue Pächterin gefunden werden. Am 4. April 2014 wurde das Gasthaus mit einem großen Fest eröffnet.
Ende 2014 legten beide Wasserwarte ihre Funktion nieder. Am 14. 1. 2015 verstarb der langjährige Obmann und Ehrenobmann Helmut Hajicsek im 87. Lebensjahr.
Die Generalversammlung am 11. 4. 2015 bestätigte alle Funktionäre und Funktionärinnen in ihren Ämtern. Auf Grund von Gerichtsurteilen musste im November noch eine außerordentliche Generalversammlung einberufen werden, weil Statutenänderungen notwendig geworden waren, um korrekte Vorschreibungen für das nächste Jahr machen zu können.
2016 feiert der Kleingartenverein Predigtstuhl sein 100-jähriges Jubiläum; ebenso wie auch der Zentralverband der Kleingärtner und Siedler Österreichs. Dieses Ereignis war verständlicherweise Mittelpunkt der Überlegungen in der Generalversammlung vom 12.3.2016. Im Schutzhaus "Am Ameisbach" fand eine gelungene und dem Anlass entsprechende würdige Feier statt. Ebenso wurde eine Festschrift publiziert.

100-Jahr-Feier (2016)
100-Jahr-Feier (2016)

In der Generalversammlung vom 18.3.2017 wurde auch ausführlich über das gelungene Fest reflektiert. Insbesondere wurde dem Historiker und Mitglied Peter Autengruber für das Verfassen der Festschrift und die Drucklegung gedankt. Eine längere Debatte entspann sich betreffend Sanierung des Schacht-2-Weges. Roland Miksche konnte zur Mitarbeit als Wasserwart gewonnen werden.
Eine permanente Arbeit war die Digitalisierung der Gartenakten durch den Vereinsobmann. Wie aus dem in der Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum des Vereins hervorgeht, wurden zu diesem Zeitpunkt rund 5.200 Unterlagen (oder mehr als 10.000 Seiten) eingescannt - und bis zum Ende seiner Obmannschaft im Jahr 2022 kamen noch viele Seiten hinzu.
In der Generalversammlung vom 17.3.2018 wurde von notwendigen Renovierungsarbeiten im Gasthaus berichtet. Ferner wurde der Gottfried-Krenn-Weg zwischen dem Schacht-2-Weg und dem Karl-Wagner-Weg saniert. Angedacht wurde eine Überbauung des oberen Teils des Schacht-2-Wegs mit einer Eisenstiege. Alexander Dangl wurde EDV-Fachberater, Peter Autengruber referierte über die Geschichte der Wiener Kleingärten und stellte sein neues Buch vor - ein Exemplar wurde zur Verlosung zur Verfügung gestellt. Roland Miksche stellte sein erstes Jahr als Wasserwart in einem ausführlichen Bericht vor.
Die Generalversammlung vom 20.3.2019 verlief in ruhigen Bahnen. Der Vereinsvorstand wies, wie schon öfters, auf die Gefahr durch zu hohen Baumbestand hin und gab erste Überlegungen zur Installation von LED Leuchten ab. Der Winterdienst wurde als mangelhaft kritisiert, über die Sanierung des Schacht-2-Weges wurde länger diskutiert.
Pandemiebedingt mussten die bereits fixierten Generalversammlungen am 14.3.2020 und am 20.9.2020 abgesagt werden.
Die beiden Absagen hatten zur Folge, dass es am 4.9.2021 eine länger dauernde Versammlung gab, weil alle Entlastungen, Berichte und Anträge nachgeholt werden mussten. Mittlerweile wurde am Karl-Rathbauer-Weg die Lichtanlage auf LED umgestellt, der Helscherweg saniert, ebenso der Karl-Prinz-Weg, weil dort diverse Kanaldeckel kaputt waren. Der Antrag mehrerer Mitglieder auf Öffnung und Sanierung des Schacht-2-Weges zwischen Gottfried-Krenn-Weg und Franz-Glaser-Gasse wurde nach intensiver Debatte angenommen. Die Sanierung soll innerhalb der nächsten drei Jahre erfolgen, so das Geld hierfür vorhanden ist. Ausführlich wurde auch über Ruhezeiten und insbesondere lärmende Bautätigkeit im Sommer gesprochen. Roland Miksche wurde als zweiter Obmann-Stellvertreter gewählt.
Im Jahr 2022 kam es zu einem (fast) kompletten Wechsel im Team.

Literaturhinweis

Peter Autengruber/Bernhard Eichler, 100 Jahre Kleingartenverein Predigtstuhl 1916-2016, Wien 2016

Zeitungen/Zeitschriften

Das kleine Volksblatt, 26. 8. 1954
Neue Wiener Tageszeitung 28. 2. 1953, 4. 11. 1953
Reichspost 29. 12. 1922, 10. 2. 1931
Siedler und Kleingärtner, Juli 1923
Volksstimme 20. 8. 1965, 3. 7. 1981
Wiener Montag, 23. 1. 1956

Quellen

Protokolle der Generalversammlungen 1952 sowie ab 1960
Mitteilungen des Kleingartenvereins Predigtstuhl
Vereinsarchiv (Gartenakte)